Das polnische Eisenbahnamt (Urząd Transportu Kolejowego, UTK) hat am 10. August seine Pünktlichkeitszahlen für das zweite Quartal veröffentlicht. Personenzüge erreichten 89,3 % — vier Prozentpunkte weniger als im Vorjahresquartal mit 93,3 %. Anders gesagt: Von April bis Juni hielt etwa jeder neunte Zug den Fahrplan nicht ein.
Ein Quartal, das Monat für Monat schlechter wurde
Der Quartalsdurchschnitt verdeckt das Interessanteste: Die Pünktlichkeit sank kontinuierlich, und der Juni fiel deutlich ab.
| Monat | 2026 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| April | 92,2 % | 93,8 % | −1,6 Pkt. |
| Mai | 89,6 % | 94,0 % | −4,4 Pkt. |
| Juni | 86,0 % | 91,7 % | −5,7 Pkt. |
Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2026 lag der Wert bei 87,7 %. Januar und Februar waren laut UTK die schwächsten Monate seit mindestens 2019. Im Winter lag es an Frost und Schnee. Im Frühjahr und Sommer war die Erklärung genau die umgekehrte.
Was überhaupt als „pünktlich" gilt
Das ist kein Vorwurf an die Methodik, aber ein wichtiger Hinweis zum Lesen der Zahl. Der Anteil der Reisen, bei denen tatsächlich etwas schiefging, liegt höher als 10,7 %.
Wer pünktlich fährt — und wer nicht
Die Spanne zwischen den Betreibern ist enorm.
| Betreiber | Pünktlichkeit Q2 2026 |
|---|---|
| WKD | 99,8 % |
| PKP SKM Dreistadt | 97,2 % |
| Koleje Małopolskie | 95,2 % |
| Łódzka Kolej Aglomeracyjna | 93,7 % |
| SKM Warschau | 93,0 % |
| RegioJet | 70,9 % |
| PKP Intercity | 68,2 % |
| Leo Express | 68,1 % |
Diese Rangliste sagt nicht nur etwas über die Qualität der Betreiber aus. Unten stehen Gesellschaften mit langen Fern- und internationalen Strecken — je länger die Strecke, desto mehr Gelegenheiten, unterwegs Verspätung aufzubauen. Oben stehen S-Bahn-Betreiber mit kurzen Distanzen, oft auf eigener Infrastruktur. Die WKD mit 99,8 % betreibt eine gut ein Dutzend Kilometer lange eigene Strecke ohne Güterverkehr.
Praktisch heißt das für Reisende: Wer mit PKP Intercity im Fernverkehr unterwegs ist — und das betrifft die meisten Verbindungen zwischen den großen polnischen Städten —, kommt statistisch bei jeder dritten Fahrt zu spät an.
Ausfälle: mehr als ein Drittel zusätzlich
Im Quartal fielen 5.400 Züge aus, gegenüber 4.000 im Vorjahr. Allein auf den Juni entfallen 2.600 davon.
Dem gegenüber steht das Angebot: 578.900 Personenzüge wurden gefahren, 5,5 % mehr als im Vorjahr, davon kamen 516.700 pünktlich an. Der Verkehr wächst schneller, als das Netz ihn aufnehmen kann — das ist der Hintergrund für alles Weitere.
Warum die Züge zu spät kamen
Das UTK unterscheidet, wie häufig eine Ursache auftritt und wie viele Verspätungsminuten sie insgesamt verursacht. Dieser Unterschied ist aufschlussreich.
| Ursache | % der Ereignisse | % der Verspätungszeit |
|---|---|---|
| Verlängerte Fahrzeit | 14,4 % | 6,2 % |
| Ein- und Aussteigen der Fahrgäste | 10,7 % | 2,9 % |
| Fahrzeugstörungen und Reparaturen | 9,0 % | 13,1 % |
| Hohe Temperaturen | 5,8 % | 6,0 % |
| Mangelhaft geführte Bauarbeiten | 4,8 % | 4,3 % |
| Folgeverspätungen aus ausländischen Netzen | 4,4 % | 9,5 % |
| Elektrische Infrastruktur | 3,1 % | 2,7 % |
| Vorfälle mit Personen im Gleis | 2,8 % | 5,3 % |
Die häufigsten Ursachen sind Kleinigkeiten von wenigen Minuten. Richtig teuer werden Fahrzeugstörungen — 9 % der Ereignisse, aber 13,1 % der verlorenen Zeit — und aus dem Ausland importierte Verspätungen: nur 4,4 % der Ereignisse, aber fast jede zehnte Verspätungsminute im Land.
Eigene Erwähnung verdienen die hohen Temperaturen. 5,8 % der Ereignisse klingen wenig, doch im Vorjahr tauchte diese Ursache in der Statistik praktisch nicht auf. Hitze bedeutet Langsamfahrstellen auf erwärmten Schienen, Gleisverwerfungen und Klimaanlagenausfälle, die ganze Garnituren aus dem Verkehr nehmen.
Was unsere Messungen für Juli und August zeigen
Die UTK-Daten enden im Juni. Unsere nicht. Unser Monitoring erfasst mehrmals täglich ein Bild der Verspätungen und archiviert es — wir können also in einen Zeitraum schauen, den die offizielle Statistik noch nicht abdeckt: 2. Juli bis 17. August 2026, 47 Tage und 232 Messungen.
| Juli | August (bis 17.) | |
|---|---|---|
| Durchschnittlicher Tagesrekord | 4 Std. 41 Min. | 5 Std. 19 Min. |
| Größte Verspätung des Monats | 10 Std. 11 Min. | 10 Std. 46 Min. |
Der August läuft schlechter als der Juli, und der Juli war bereits schlechter als der Juni — der Monat, den das UTK als schwächsten des Quartals bezeichnet. Die Ferienzeit hat keine Entspannung gebracht.
Der Rekord des gesamten Zeitraums fiel am 8. August: Der Zug 31/33004 von PKP Intercity aus Saporischschja nach Przemyśl Główny traf mit 10 Stunden und 46 Minuten Verspätung ein.
In diesen Tageslisten entfallen 77 % der Plätze auf PKP Intercity und weitere 11 % auf POLREGIO. Die Strecken bilden zwei Gruppen: Verbindungen aus der Ukraine (Saporischschja, Kyjiw und Charkiw Richtung Przemyśl, Warschau und Chełm) — genau die Kategorie „ausländische Netze" des UTK — sowie inländische Ferienstrecken an die Ostsee wie Poznań–Ustka und Kraków–Kołobrzeg.
Was das für Reisende in Polen bedeutet
- Je länger die Strecke, desto höher das Risiko. Planen Sie bei Anschlüssen nach einer Fernverbindung nicht mit einer Viertelstunde Puffer.
- Ab 60 Minuten Verspätung besteht Anspruch auf Entschädigung. Die EU-Fahrgastrechte gelten auch in Polen: Ab einer Stunde gibt es einen Teil des Fahrpreises zurück.
- Prüfen Sie den Zug vor dem Losgehen, nicht am Bahnsteig. Verspätungen sind meist schon an früheren Stationen sichtbar.
Quellen: Urząd Transportu Kolejowego — Pünktlichkeit der Züge im zweiten Quartal 2026 (Mitteilung vom 10.08.2026) sowie das UTK-Statistikportal. Die Zahlen für Juli und August stammen aus dem eigenen Monitoring von Trainradar24 (2.07.–17.08.2026, 232 Messungen).